BFSG für E-Commerce — Was Online-Händler beachten müssen 2026

Seit dem 28. Juni 2025 ist das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) in Kraft — und es betrifft alle Online-Händler, die Produkte oder Dienstleistungen in Deutschland anbieten. E-Commerce-Websites und -Apps müssen jetzt barrierefrei sein. Wer die Anforderungen nicht erfüllt, riskiert Bußgelder bis zu €100.000 und Abmahnungen.

Dieser vollständige Leitfaden erklärt alles, was Online-Händler über das BFSG wissen müssen — von den konkreten Anforderungen über häufige Verstöße bis hin zur praktischen Umsetzung.

📌 Kurze Antwort — BFSG für E-Commerce

Das BFSG verpflichtet alle Online-Shops und E-Commerce-Apps, barrierefrei zu sein. Die Anforderungen basieren auf WCAG 2.1 Level AA. Das bedeutet: Alt-Text für Produktbilder, 4.5:1 Kontrast, Tastaturbedienbarkeit, Formularbeschriftungen und ein barrierefreier Checkout-Prozess. Seit dem 28. Juni 2025 ist dies verpflichtend.

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Welche Online-Shops sind vom BFSG betroffen?

Das BFSG gilt für alle E-Commerce-Websites und -Apps, über die Produkte oder Dienstleistungen an Verbraucher verkauft werden. Das betrifft:

Nicht betroffen sind:

📊 BFSG E-Commerce Statistiken

BFSG-Anforderungen für Online-Shops

Die technischen Anforderungen des BFSG basieren auf WCAG 2.1 Level AA. Für Online-Shops sind diese Kriterien besonders wichtig:

1. Produktbilder — Alt-Text (1.1.1)

Anforderung: Alle Produktbilder müssen alternativen Text haben. Screenreader müssen beschreiben können, was auf dem Bild zu sehen ist.

Beispiel:
<img src="produkt.jpg" alt="Rote Lederhandtasche mit goldenem Verschluss">

Häufiger Fehler: Fehlender Alt-Text bei Produktbildern. Screenreader sagen nur "Bild".

2. Farbkontraste (1.4.3)

Anforderung: Der Kontrast zwischen Text und Hintergrund muss mindestens 4.5:1 betragen. Das gilt besonders für:

Häufiger Fehler: Graue Buttons auf hellen Hintergründen — Kontrast unter 4.5:1.

3. Tastaturzugänglichkeit (2.1.1)

Anforderung: Der gesamte Shop muss nur mit der Tastatur bedienbar sein. Kunden müssen mit Tab, Enter und Pfeiltasten durch den gesamten Shop navigieren können — vom Produktkatalog bis zum Checkout.

Häufiger Fehler: Dropdown-Menüs, die nur mit der Maus geöffnet werden können.

4. Formularbeschriftungen (3.3.2)

Anforderung: Alle Formularfelder (Name, Adresse, E-Mail, Zahlungsinformationen) müssen sichtbare Beschriftungen haben.

Beispiel:
<label for="email">E-Mail-Adresse</label>
<input type="email" id="email">

Häufiger Fehler: Formularfelder ohne Labels oder mit Platzhaltern als einziger Beschriftung.

5. Barrierefreier Checkout-Prozess

Anforderung: Der gesamte Checkout-Prozess muss barrierefrei sein — vom Warenkorb bis zur Bestellbestätigung.

Prüfpunkte:

6. Warenkorb und Bestellübersicht

Anforderung: Der Warenkorb und die Bestellübersicht müssen für Screenreader-Nutzer verständlich sein.

Prüfpunkte:

BFSG-Checkliste für Online-Shops

✅ Alle Produktbilder haben Alt-Text (1.1.1)

✅ Farbkontraste erfüllen 4.5:1 (1.4.3)

✅ Die Website ist vollständig per Tastatur bedienbar (2.1.1)

✅ Alle Formularfelder haben Beschriftungen (3.3.2)

✅ Der Checkout-Prozess ist barrierefrei

✅ Fehlermeldungen sind klar und verständlich

✅ Der Warenkorb ist für Screenreader strukturiert

✅ Linktexte sind beschreibend (2.4.4)

✅ Barrierefreiheitserklärung ist vorhanden

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Häufige BFSG-Verstöße im E-Commerce

1. Fehlender Alt-Text bei Produktbildern

Problem: Produktbilder ohne Alt-Text — Screenreader sagen nur "Bild".

Lösung: Fügen Sie beschreibenden Alt-Text zu allen Produktbildern hinzu.

2. Zu geringer Farbkontrast bei Buttons

Problem: "In den Warenkorb" Buttons mit geringem Kontrast.

Lösung: Verwenden Sie dunklere Farben für Buttons und erhöhen Sie den Kontrast auf 4.5:1.

3. Nicht bedienbare Dropdown-Menüs

Problem: Dropdown-Menüs können nur mit der Maus geöffnet werden.

Lösung: Implementieren Sie Tastaturunterstützung für alle Menüs (Enter zum Öffnen, Pfeiltasten zur Navigation).

4. Unbeschriftete Formularfelder

Problem: Formularfelder ohne Labels oder nur mit Platzhaltern.

Lösung: Verwenden Sie sichtbare <label>-Elemente für jedes Formularfeld.

5. Fehlender Fokusindikator

Problem: Nutzer können nicht erkennen, welches Element fokussiert ist.

Lösung: Fügen Sie sichtbare Fokusindikatoren hinzu: a:focus, button:focus { outline: 2px solid #3b82f6; }

So erreichen Sie BFSG-Konformität — Schritt für Schritt

Schritt 1: BFSG-Check durchführen

Nutzen Sie unseren kostenlosen BFSG-Checker, um Ihre Website auf WCAG 2.1 Level AA zu testen.

Schritt 2: Kritische Verstöße beheben

Konzentrieren Sie sich zuerst auf die Verstöße, die am häufigsten zu Abmahnungen führen: fehlender Alt-Text, fehlende Formularbeschriftungen und fehlende Tastaturzugänglichkeit.

Schritt 3: Barrierefreiheitserklärung erstellen

Erstellen Sie eine Barrierefreiheitserklärung für Ihre Website. Dies ist rechtlich erforderlich und zeigt Ihre Compliance-Bemühungen.

Schritt 4: Regelmäßige Prüfungen

Führen Sie monatliche BFSG-Prüfungen durch, um neue Verstöße zu erkennen.

Häufig gestellte Fragen — BFSG für E-Commerce

❓ Welche Online-Shops müssen BFSG-konform sein?
Alle E-Commerce-Websites und -Apps, über die Produkte oder Dienstleistungen an Verbraucher verkauft werden, müssen BFSG-konform sein. Ausnahmen gibt es nur für Mikrounternehmen.
❓ Was ist der wichtigste Standard für BFSG-konforme Online-Shops?
Die technischen Anforderungen basieren auf WCAG 2.1 Level AA. Besonders wichtig sind: Alt-Text für Produktbilder, Farbkontraste 4.5:1, Tastaturzugänglichkeit und Formularbeschriftungen.
❓ Was passiert bei Nichteinhaltung?
Bei Verstößen drohen Bußgelder bis zu €100.000 und Abmahnungen durch Wettbewerber oder Verbraucherschutzverbände. Erste Abmahnungen wurden bereits im August 2025 verschickt.
❓ Wie prüfe ich, ob mein Online-Shop BFSG-konform ist?
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❓ Gibt es Ausnahmen für kleine Online-Shops?
Ja. Mikrounternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von weniger als €2 Millionen können Ausnahmen beantragen. Die meisten Online-Shops fallen jedoch unter die BFSG-Pflicht.

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Interne Links — BFSG-Ressourcen

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